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Berühmte Gäste in Altaussee VII: Adalbert Stifter

Der Biedermeier-Autor und das Ausseerland

Biedermeier-Schriftsteller Stifter

Adalbert Stifter (c) wikimedia

Berühmt unter anderem für seine Erzählung „Bergkristall“, war Adalbert Stifter bereits zu Lebzeiten bekannt für seine detailreiche und idyllische Auseinandersetzung mit der Natur und Landschaft seiner Heimat. Der österreichische Schriftsteller und Lyriker war auch als Maler und Pädagoge tätig und hatte Zeit seines Lebens unter finanzieller Not zu leiden. Sein Schreiben wird der literarischen Epoche des Biedermeier zugeordnet.

Leben & Werk

Adalbert Stifter wurde am 23. Oktober 1805 in Böhmen geboren und starb am 28. Jänner 1868 in Linz. Seine Jugendjahre verbrachte er in kargen Lebensverhältnissen zunächst auf der Landwirtschaft des Großvaters, wo bereits der Grundstein seiner Naturverbundenheit gelegt wurde. Die Schulbildung im Stiftsgymnasium Kremsmünster orientierte sich stark an christlichen Glaubenswahrheiten und den aufklärerischen Ideen eines Leibniz und eines Kants. Rückblickend bezeichnete Stifter diese Schulzeit als die schönste seines Lebens.

Sein ganzes Leben hindurch wurde Stifter immer wieder von finanziellen Sorgen und Rückschlägen geplagt, oft genug floh er in den Alkohol, was die Sache nicht besser machte.

Politisch galt er als Anhänger der Revolutionsbewegung um 1848 und sah sich in den Revolutionsjahren dazu veranlasst, Wien zu verlassen. Er ging nach Linz, wo schließlich zum Schulrat und anschließend zum Landeskonservator für Oberösterreich ernannt wurde.

Schreibversuche & Lebensversuche

Die ersten Versuche als Dichter wagte Stifter während der Studienzeit in Wien, inspiriert von Größen wie Goethe, Herde oder Jean Paul. In Folge einer unglücklichen Liebe brach Stifter das Studium ab und erhielt nach einigen finanziellen und emotionalen Schwierigkeiten, sowie einer Eheschließung mit Amalia Mohaupt, eine Lehrstelle in Mariabrunn, wo er auch seine Leidenschaft für die Malerei auszuleben begann.

Seit etwa 1840 veröffentlichte Stifter immer wieder Erzählungen, zudem arbeitete er als Hauslehrer, mitunter für Richard von Metternich, den Sohn des österreichischen Staatskanzlers. Gefördert wurde er durch den Pester Verlag, wo er bereits den „Condor“ veröffentlicht hatte. Zudem wurde Stifter Herausgeber des Sammelbandes „Wien und die Wiener“ und veröffentlichte 1842 „Der Hochwald“, worauf zahlreiche weitere Veröffentlichungen folgten.

„Bergkristall“

Zu seinen wichtigsten und berühmtesten Werken zählt beispielsweise „Bergkristall“ aus dem Jahr 1845. Die Erzählung wurde 1999 mit Tobias Moretti in der Hauptrolle verfilmt und 2004 noch einmal von Joseph Vilsmaier aufgegriffen für den ebenfalls gleichnamigen Film mit Daniel Morgenroth und Katja Riemann.

Stifter als Schriftsteller des Biedermeier

Stifter ist der Meister der biedermeierhaften Naturdarstellung und gilt als Heimatschriftsteller. Seine heile, poetische Welt entwarf einen Gegensatz zu den politischen Spannungen und dem Konflikt zwischen Wirklichkeit und Ideal jener Zeit.

Die meisten seiner Erzählungen spielen im ländlichen Mühlviertel, in Dörfern und Wäldern. Seine Sprache ist klar und scharf, die Naturdarstellungen episch ausgebreitet und detailliert, die Handlung hat meist einen entschleunigenden Charakter, der typisch für die Biedermeier-Literatur war.

Stifter auf der Via Artis in Altaussee

Auf dem Kulturweg Via Artis in Altaussee treffen Sie u.a. bei der 2. Station „Friedrich Torberg“ auf Adalbert Stifter. Die ehemalige Königsgarten-Villa, in welcher der österreichische Schriftsteller Torberg Mitte des 20. Jh. lebte und arbeitete, befindet sich in der Nachbarschaft ehemaliger Dichter-Villen und Sommerresidenzen ehemaliger berühmter Gäste im Ausseerland – darunter auch Adalbert Stifter, der sich gerne von der Landschaft um Altausee zum kreativen Schaffen anstiften ließ.

Stifter vermochte wie kaum ein anderer, Landschaften in Worte zu hüllen, wie die folgende Beschreibung eines Wintertages auf dem Ausseerland-Gipfel Loser verdeutlicht:

„Es war einer jener Wintertage, an denen die Luft kalt, klar und voller Sonne ist
und der Blick sich im Unendlichen verliert.

Tief unten lag der See, zu schwarzem Eis gefroren. Gegenüber stand, durch mehrere Täler und Vorberge getrennt, aber zum Greifen nah, der Dachstein, schneeweiß und blendend in der finsteren Bläue der Luft.

Alle Bergfelder, die um den Gipfel herum lagern, alle Abhänge weiß, selbst die steilen Wände, die die Bewohner Mauern heißen, sind mit einem angeflogenen, weißen Reife bedeckt und mit zartem Eise belegt, sodaß die ganze Masse wie ein Zauberpalast aus dem bereiften Grau der Wälderlast emporragt, welche schwer um meine Füsse herum ausgebreitet ist.

Die Türme und Mauern von Sandling, Loser und Trisselwand bilden die westliche Bastion des Toten Gebirges. Gegen Süden hin fällt es sanft gegen die Mitterndorfer Hochebene und das Ennstal ab. 
Im Norden hingegen stürzt es steil in enge Täler. Waldige Vorberge verbinden es dort mit dem mächtigen Felsklotz des Traunsteins, seinem nördlichsten Ausläufer.

Die Seen halten sich noch versteckt, sie bilden die Überraschung all jener, der sie plötzlich in ihrem Farbschimmer zwischen Smaragd und Saphir zu seinen Füßen sieht.“ (A. Stifter)

Lesen Sie in unserer Reihe „Berühmte Gäste im Ausseerland“ auch über Stifters Zeit- und Sommerfrische-Kollegen: beispielsweise die großen Komponisten Richard Strauss, Johannes Brahms oder den Dichter Hofmannsthal.

Im Romantik Hotel Seevilla informieren wir Sie gerne näher über die Via Artis, sowie die kulturellen Highlights der von Sommerfrischlern so hoch geschätzten Region im Salzkammergut.